Montag abend, 28.10.2013
Jetzt klappt es doch noch. Nach 12 Jahren und 7 Monaten kann ich meiner GS 1150 noch ein Abschiedsgeschenk machen. Vier Tage in die Provence. Nochmals Mont Ventoux, nochmals D4 Richtung Murs, nochmals Ardeche-Schlucht, nochmals Richtung Semnoz und vielleicht noch was Neues :-D . Ab 30.10. bis 2. November bin ich unterwegs und hier http://www.domaineeauvive.com/en/ “zuhause”.

Jetzt gilt es zu berichten, auch wegen den Vorschusslorbeeren und den bereits im Vorfeld getätigten Kommentaren ;-)
Mittwoch, 30. Oktober 2013
Süchtig und als Gesetzesbrecher trete ich meinen Kurz-Intensiv-Trip in die Provençe an. Als Gesetzesbrecher weil ich das Mutt’sche Gesetz ignoriere, doch ich bin überzeugt, dass der Namensgeber auch mit losgefahren wäre. Hätte er denn täten können. Süchtig nach schönen Landschaften, Schräglagen und vielleicht auch etwas Freiheit.
Bis Malters noch Regen, bis Thun nasse Strassen und nachher sonnig und mehrheitlich trocken. Wenn ich so unterwegs bin, fange ich meistens an zu singen oder es geht mir eine Melodie im Kopf rum, so war es auch diesmal. Versucht es einmal mit “eeeh oh, eh oh, eeeeh, oh, eh, oh“. Starten wir mit dem Gurnigel, wunderschön eingebettet in die hügelige Landschaft und so früh morgens auch ziemlich verkehrsfrei. Weiter nach Broc und Pas de Morgins und über den Col du Corbier und Col du Colombière nach Annecy. Weiter geht es die Traumstrasse auf den Semnoz, etwas vorsichtiger, es ist ja Herbst, aber umso staunender, ob der Farbenpracht.
Irgendwann merke ich, dass Nebenstrassen, Kilometer und Zeit nicht immer Hand in Hand fahren, so blieb für den Rest vom Tag noch viel Kilometer übrig. Und mir wurde bewusst, es wird dunkel, wenn ich in Largentière ankomme.
Weiter also von Chambéry nach Voreppe, rüber nach Romans und den Abstecher nach Chabeuil - Crest - Montélimar und Largentière. Dank Vorbereitung bei Tageslicht fand ich die etwas versteckte Unterkunft auf Anhieb.

Sicht aus dem schönen Zimmer auf den Innenhof

Donnerstag, 31. Oktober 2013
Zugegeben, ich bin etwas müde, aber nach dem Frühstück wollte ich los. Wettervorhersagen sind wie lange Nasen und kurze Beine und so … Gesetzesbrecher … und so. Zum Glück nicht lange und ich setze meine Fahrt nach Alès trocken fort. In vielen Foren wurde die Corniche des Cevennes beschrieben und so kurvte ich via Anduze und St. Jean du Gard zur Höhenstrasse. Nur so viel, darf auf keiner Tour fehlen. Herbstliche Farben, toller Ausblick und natürlich die eine oder andere Strassenbiegung auf gut 40 Kilometern. Florac - Génolhac - Villefort bis Luc. Es fährt und fährt und fährt … dann rechts weg zum Col de Meyrand und eine nie enden wollende Kurvenorgie (ihr wisst schon: eeeeh oh, eh oh) zurück nach Largentère. Cevennen, ich komme wieder.
Motorradfahrer und grüssen, ich denke: Geile Siech, wenn Du wüsstest, was Dich erwartet. Und der andere denkt: Geile Siech, wenn Du wüsstest, was Dich erwartet. Und so bist Du Teil der nicht ganz ungefährlichen Gemeinschaft der Kurvenjunkies.

Freitag, 1. November 2013
Heute geht es am Allerheiligen zum heiligen Berg Mont Ventoux. Da ich rüber muss ins Flache (Rhône) beginne ich die Aufzeichnungen ab Vaison la Romaine (Foot of the Mountain). Mont Ventoux, unten warm, oben bissig kalt. Und natürlich die obligaten Berg-Jogger, Berg-Radfahrer, Berg-Ausflügler und wir. Runter nach Sault und weiter nach Apt. Und jetzt aufgepasst! Wer Zeugnis über seine fahrerischen Qualitäten ablegen will, kann das z.B. auf der Strecke von Murs nach Carpentras tun. Einstieg mit dem Col du Murs und ca. die nächsten 10 km unbeschreibliches Gelände (D4). Ich glaube nicht einmal in meinen Träumen könnte ich so eine Strasse. Nun gut, anschliessend ist sowieso alles andere nur noch besseres Gerade-Ausfahren. Wieder runter ins Flache und rüber nach Pont St-Esprit. Das Abschlussbouquet gehört der Gorges de l’Ardèche. Aussichten, Einsichten, Rundsichten und dasselbe mit -blicke. Und zu guter Letzt noch eine kleine Überraschung von Ruoms via D308 Chauzon fährt man auf eine steppenartige Hochebene. Wunderschön.
Wer, bitte wer baut solche Strassen? Sind diese Jungs irgendwo in der Hall of roads zu besichtigen. Danke Jungs.

In den Kehren des Mont Ventoux

Samstag, 2. November 2013
Diesmal ist nichts mit langen Nasen und kurzen Beinen, es ist wolkenverhangen und es tröpfelt. Auf dem Heimweg nach Privas ist es neblig und regnerisch, ich rechne für die nächsten rund 650 km mit dem Schlimmsten. Ihr wisst schon, Nase und Beine, eeeeh, oh, eh, oh, es wird trocken und sonnig und ich geniesse die Fahrt entlang der Rhône via Valence - Romans- Voiron - les Abrets - Richtung Belley. Dann rüber nach Lucey - Seyssel - Frangy - Viry - Genf und ab auf die Autobahn zügig nach Ebikon zur Basisstation. Es waren wohl die intensivsten vier Motorradtage mit 2100 Kilometer seit langem, aber wie hiess es schon zu guten alten Comiczeiten? Je reviendrai!

Naturphänomen
In den Alpen, bei gutem Wetter, können wir ganz selten das “Alpenglühn” sehen. Dann wenn die Sonne am Morgen oder Abend das Gebirge beleuchtet. In der Provençe habe ich das etwas seltenere “Fussrastenglühn” gesehen. Es tritt immer wieder auf, ähnlich wie Glühwürmchen. Wer es gesehen hat, der will es immer wieder sehen.
BMW R 1150 GS genannt Silverbull
Das wars! Nach 12 Jahren und 7 Monaten (6. April 2001) und etwas mehr als 78′000 km geht der eigentliche Star all dieser Reisen in die verdiente Rente. Über all diese Jahre gab es für mich keinen Besseren und manchmal hatte ich das Gefühl so à la Herbie. Danke an die Ingenieurskunst, danke auch an die Conti Trail Attack 2 und danke all den Followern auf der Strasse. Der Schatten für die neue GS (Modell Fünfliber) ist gross und ich freue mich auf bewährtes und neues ab 2014! Bildergalerie

Der Schatten der Vorgängerin