Auftakt - “Warum, weshalb, wieso”
Bruno, Christoph, Heinz und Stefan (diesmal mit von der Partie, siehe Tourfazit unten) wollen in diesem Jahr mit den aktuellen Modetrends gehen. Keine Magerkost. Wir stehen in diesem Jahr auf curvy Models: Hügelige Landschaften, viele schöne Kurven und dazu wunderbares Essen. Wir befahren in elf Tagen vier exzellente Gebiete fürs Motorradfahren: französische Alpen, die Cevennen, Pyrenäen und Auvergne.

Dienstag, 28. August - Drei wollen früher los
Bruno, Heinz und Stefan starten bereits am Dienstagnachmittag via Nebenstrassen nach Martigny. In meiner Funktion als Tourguide rücke ich dann am Mittwochmorgen zur Curvy Models Tour an.
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Mittwoch, 29. August - Der Tourguide überholt links

Ich fahre um 06:45 los, bin vollgetankt, verpflegt und pünktlich um 09:30 beim vereinbarten Treffpunkt und nehme meine drei Verfolger für die nächsten Tage ins Schlepptau. Die erste Etappe führt uns über den Col de la Forclaz direkt in die Haute-Savoie. Nach Albertville geht es erstmals so richtig in die Höhe über den Col de la Madelaine (2000m). Die Lacets de Montvernier (18 enge Kehren) bilden den ersten grösseren Fotohalt. Dann gehts weiter über den sagenhaften Col du Glandon der Route folgend. Begleitet von ein paar Regenspritzern fahren wir Richtung erstes Etappenziel nach Corps über kleinere Cols. Alle sind eingegroovt.
! aussergewöhnliches Nachtessen mit Drehorgel-Musik
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Donnerstag, 30. August - Jährlich grüsst der heilige Berg
Nach einem Kaffee und dem obligaten Croissant haben wir einen nebligen Auftakt. Wir starten mit wunderschönen Schluchten und beim Col du Festre zeigt sich die Sonne (und bleibt uns künftig tagsüber konstant erhalten). Es müssen nicht immer Passfahrten sein, die Gorges de la Méouge bietet alles ausser Höhenmeter. Der Mont Ventoux: Die Faszination bleibt (und ein Gruss an meine alte 1150er). Wir queren die Rhône, biegen auf die kleine D4 ein und erleben eine Surprise, eine etwas kürzere Variante von Murs - Carpentras (D4). An Ganges vorbei und einen ersten Happen Cevennen mit der D986 zu unserer Motorradunterkunft.
! Toller Service und gute Küche bei Uwe
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Freitag, 31. August - Bruno hat noch einen Koffer in Valleraugue

Ich darf heute meine Mitfahrer auf zwei Strassen des GS-Strassen-Weltkulturerbes entführen. Die oftmals engen Kurven und der anspruchsvolle Strassenzustand zwischen Florac und Génolhac (D998 / Fahrvideo) lassen jedes GS-Herz höher schlagen und sind einfach nur Spass pur. Wir kommen kaum zum Luftholen (leichte Schnappatmung), folgen den wohl kurvigsten Kurven zwischen hier und dem Atlantik: Génolhac - Villefort (D906). Natürlich enden die Kurven auf der D901, D20 (Mont Lozère) und zum Schluss auf der D986 nicht, aber es ist der unglaubliche Mix, welcher diese beiden Strassenabschnitte zu einem Must-Drive in den Cevennen macht. À propos Bruno: Gleich nach Valleraugue verlier’ ich ihn aus dem Rückspiegel.  Der nachfolgende Stefan klärt mich rasch auf, dass kurz zuvor plötzlich Brunos Top-Case auf die Strasse gepoltert ist. Dank Heinz und seiner seit Jahren bewährten Top-Case-Schnur-Fixier-Technik kann  Bruno anschliessend, wenn auch leicht ramponiert, ohne Verlust weiterfahren.
! D998 und D906

Samstag, 1. September - Der zollfreie Konsumtempel im Talkessel
Überführungsetappe nach Spanien. Via Béziers - Narbonne und Prades tauchen wir in die Pyrenäen ein und sind von Anfang an begeistert. Wir wagen sogar die Fahrt über den Port d’Envalira in den Kleinstaat Andorra (nicht das es wieder heisst: Ach, ihr seid gar nicht in Andorra gewesen?). Nun gut, etwa so ähnlich wie das Stilfser Joch, unter Motorradfahren ist die mehrheitliche Meinung, dass es in die Sammlung gehört. Aus meiner Sicht muss aber es nicht unbedingt sein. Ein enger Talkessel, nur bergab, vollgepflastert mit mondänen Häusern. OK, Offroad gäbe Andorra etwas mehr her … Mal schauen beim nächsten Mal. Zwei Kreisel und wir sind in La Seu d’Urgell. Beim abendlichen Bummel entdecken wir die Vorbereitungen zum Weltcupfinale im Wildwasserfahren, die ein Wochenende später stattfinden. Wir schauen schon etwas verdutzt, als nach dem Training einfach das Wasser abgestellt wird.
! Hotel Paradores
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Sonntag, 2. September - Kurven, Kurven, Kurven, Kurven … Kurven … und äh, Kurven!

Wie begegnen wir einer Strecke (Campdevànol - Guardiola de Berguedà), die wir vor drei Jahren als unbeschreiblich empfanden und bereits während der ersten Fahrt ins GS-Strassen-Weltkulturerbe aufnahmen? Mit dem nötigen Respekt, grossen Erwartungen, voller Kurvendrang und filmbereiter Action-Cam starten wir die Tagestour auf der legendären N-260 Richtung Osten und erhalten einen kleinen Dämpfer, als die Strasse ab Urtx bis zum Hotel La Collada gesperrt ist. Doch die N-260 überzeugt auch in der gekürzten Form und ein Hochgefühl stellt sich ein: Die Leichtigkeit des Kurvenfahrens, wohl wissend, dass uns nur wenig Gummi auf der Strasse hält. Wir kreuzen bei Ripoll wie eine Acht (N-260, C-38, GIV-5223 und N260a) und betanken unsere Motorräder kurz vor Campdevànol. Ich starte die Action-Cam und tauche ab in die unzähligen Kurven. Nach 30 km und rund 25 Minuten tauche ich mit einem breiten Grinsen wieder auf. Fahrvideo. Wir folgen der nicht minder kurvigen B-400 zurück nach La Seu d’Urgell. Inzwischen sind im Hotel eine Gruppe US-Biker mit Tourguides abgestiegen, wir nennen sie respektvoll «Golden Girls». Beim Stiefelbier versuchen wir wieder einen geraden Horizont zu finden.
! Campdevànol - Guardiola de Berguedà

Montag, 3. September - Warum wir in der Cañon Añísclo alleine sind

Wir setzen unsere Fahrt auf der N-260 diesmal nach Westen fort. In den spanischen Pyrenäen wird diese Route zurecht die Mutter aller Strassen genannt, und in Castejón de Sos im Restaurant La Morera wird ihr mit einem eigenen Aufkleber gehuldigt. Ein weiteres Highlight ist die Cañon Añísclo (HU-631), und wir fahren zügig hinein. Ein paar Strassentafeln warnen, doch das ist nicht ungewöhnlich, bis - ja bis die Strasse gesperrt ist. Ein zweites Mal macht uns die felsige Gegend einen Strich durch den Fahrplan. Wir kehren um und nehmen die “Umfahrungsstrasse”, eine Art Höhenstrasse, welche durchaus zu überzeugen weiss mit Mirador (span. für Ausblick) auf den gesperrten Teil. Wir biegen von der N-260 Richtung Col du Pourtalet und unserem Hotel rechts ab und staunen über die sehr gut ausgebaute Passstrasse. Nach der Ankunft und dem Stiefelbier lassen wir es uns nicht nehmen und drehen noch eine Runde im Aussenpool der Hotelanlage. Gepflegtes Wegdösen im Liegestuhl mit Blick auf die Skilifte auf 1600m ist angesagt. Habe ich schon das Wetter erwähnt … absolut traumhaft.
! Nachtessen beim Italiener (Pizza Arrigal)
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Dienstag, 4. September - Stefan nimmt die Strasse ins Visier
Wir haben das letzte Stück zum Col du Pourtalet fast für uns und geniessen die angenehmen Temperaturen. Frankreich erwartet uns mit viel Sonne (de France). Wir sind die Ritter der Landstrassen, zumindest fühlen wir uns so. Auf den Cols in den französischen Pyrenäen spüren wir die Ausstrahlung der Tour de France und das unbeschwerte Gefühl von Kurvenspass ohne Ende. Den Wunsch an einem Tag von Aubisque, Soulor, Tourmalet, Aspin, Menté bis zum Aspet zu fahren, kann man sich normalerweise nur einmal im Leben erfüllen. Es ist ein Tag, der nie enden sollte. Dennoch - am Schluss geniessen wir das feine Znacht im Hotel. À propos: Schon wieder verliere ich einen aus dem Rückspiegel. Diesmal rückt Bruno nach und infomiert mich, dass Stefan sein Helmvisier verloren hat. Glücklicherweise unbeschadet gefunden und neu montiert. Was wäre ein Ritter mit offenem Visier?
! Pässefahrt
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Mittwoch, 5. September - Die Suche nach der Zivilisation

Nordwärts. Am Morgen schon ein paar kleine Cols und dann auf Hauptstrassen an Carcassonne vorbei ins Haut Languedoc. Wälder, wenige kleine Dörfer, Kurven: lange, kurze, enge, weite, im Doppelpack und selten alleine. “Langsam” nähern wir uns der Auvergne und Aurillac. Eine kleine Front, die auch für den nächsten Tag Regen bringen wird, können wir elegant aussitzen. Und so kommen wir trocken in Aurillac an.
! Nachtessen im Hotel
Unterkunft

Donnerstag, 6. September - Erste Standschäden?

Wir hatten sie fast alle: Pässe, Kurven und Strassen und alle trocken. So entscheiden wir uns, einen Ruhetag einzulegen und auf die nassen Strassen in der Auvergne zu verzichten. Zuerst natürlich gemütlich ausschlafen und dann ins Maison Proumen frühstücken. Ich widme mich der Planung der nächsten zwei Tage, während Bruno, Heinz und Stefan einen Töffhändler aufsuchen. Der Gummischwund in den letzten Tagen war ausserordentlich. Am späteren Nachmittag bummeln wir noch gemeinsam durch Aurillac. Nochmals einen feinen Znacht und die ersten leisen Befürchtungen, dass unsere Motorräder vielleicht bereits Standschäden erlitten haben.
! Boulangerie / Pâtisserie Maison Proumen

Freitag, 7. September - Bambi am Strassenrand

Wir passen unsere Tour nach Lyon etwas an und packen noch ein paar zusätzliche Strassen von der am Donnerstag ausgefallenen Tagestour dazu. Die Route des Crêtes (D35) und den Pas de Peyrol (was für eine Aussicht!) bilden den würdigen Auftakt auf unserer Reise. Wiederum staunen wir über die Weitläufigkeit der Gegend und loben einmal mehr die Abteilung Strassenbau (de France). An dieser Stelle ein fettes Danke. Kurz vor Lyon kurven wir in aller Ruhe durch den Parc Naturel Régional du Pilat und plötzlich hat uns der Grossstadt-Verkehr wieder.  À propos Bambi: Da liegt eines, leblos und alle Viere von sich gestreckt, einfach so am Strassenrand. Gewisse Bilder werden wir wohl nicht mehr so einfach los.
! Pas de Peyrol
Unterkunft

Samstag, 8. September - Alles hat eine Ende

Der Schlusstag. Die Rückreise habe ich an unserem Ruhetag geplant und mich zum Glück an die D91 erinnert. So kann ich heute meinen Verfolgern ein absolutes Schmankerl bieten; dank der Morgenstunden noch in frischem Zustand. Ab Poncin der D91 und dem Fluss Ain folgen bis zum Haut-Jura. Nochmals fahren ohne erkennbares Ende. Am Lac du Joux erreichen wir Schweizer Boden und ab Vallorbe geht es auf die Autobahn. Ein letzter Halt auf der Raststätte Gunzgen-Süd und wir verabschieden uns und fahren zufrieden und glücklich nach Hause.
! D91

Infos zur Tour
Fotoalbum

Video zur Tour

Fahrvideos

GPX-Daten zur Tour

Tourfazit von BMW GS 1200 Luftgekühlt
Nun weiss ich wirklich was ich verpasst habe im Herbst 2015. Pyrenäen, Anfahrt über Genua mit der Fähre nach Barcelona. Ich habe mit grosser Vorfreude die Tour geplant und mich auf die verschiedenen Hotels gefreut. Nichts da, eine Diskushernie macht alles zu Nichte. Ich kann nicht mit. Ein Schock für mich und meine Kollegen. Die haben die Tour trotzdem gemacht und dem zu Hause gebliebenen mit jede Menge Fotos und Filmen versorgt. Damals ein Trost, obwohl ich lieber selbst dabei gewesen wäre.

Nun ist aber soweit, Pyrenäen 2018 optimiert. Aus der letzten Reise gab es Verbesserungspotenzial. Das haben wir und meine Kollegen in die Planung von 2018 aufgenommen. Die Highlights aber aus der letzten Tour übernommen. Bruno, Heinz und ich sind einen halben Tag früher losgefahren. Meine fehlende Routine dankte das. So sind wir am Dienstag am 28. September in unser Pyrenäen 2018 Abenteuer gestartet. Ein Abenteuer war es nicht , aber dafür eine der besten Motorradtouren die ich je gemacht habe. Wir hatten die elf Tage die wir Unterwegs waren super Wetter. Der Regenschutz mussten wir ein einziges Mal anziehen und das nur etwa eine Stunde, ansonsten hatten wir vorwiegend sensationelles Wetter. Die Anfahrt dieses mal ohne Fähre war der Hammer. So konnten wir bereits am Mittwoch diverse französische Pässe befahren bei besten Strassenverhältnissen und sehr wenig Verkehr. Christoph wird in seinen Worten die Tour beschreiben.

Ich möchte im Nachgang einfach festhalten, dass eine absolut geniale Töfftour war. Ich möchte dabei meinen Kumpels ganz herzlich danken, dass sie mir die Möglichkeit gegeben haben die Tour die ich aus gesundheitlichen Gründen verpasst habe nachzuholen. Es war nicht ein Nachholen, es war eine verbesserte Tour als 2015. Für mich war es einfach Spitze und ich erinnere mich noch lange daran zurück.

Tourguides’ Fazit
Ich habe es vor der Tour gesagt und ich bleibe dabei: What’s next? Was kommt nach so einer perfekten Tour, nach solchen Strassen, Pässen, Wetter und Landschaften? Zuerst gönne ich mir nun mal etwas Ruhe. Und dann, spätestens im kalten Winter, überkommt mich wieder die Vorfreude auf Neues!