18.06.07
6 Länder in 10 Tagen
Abgelegt unter Motorradtouren :: Bericht zur Tour 2007
Es ist der 07.06.07 um 06:07 als wir (Susan und Christoph) vollgetankt in Ebikon Richtung Treffpunkt starten. Wir ahnten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, in welche Turbulenzen wir fahren werden.
Treffpunkt Autobahnraststätte Herrlisberg. Auf der Bestellliste: einmal 1150er GS, einmal (leicht verspätet) K 1200 R, einmal K 1200 S, einmal 600er Ténéré in gelb-blau und last but not least einmal 650er GS. Das Mutt’sche Gesetz (trocken abfahren) wurde befolgt. Im Sattel sassen die Original Haidenhofer Spitzbuabn mit den Special Guests Susanne und Bruno.
Guten Mutes überquerten wir die Grenze, passierten das Furkajoch und blieben am Hochtannbergpass hängen. Bzw. hängen tat eigentlich nur die Benzinpumpe der 650er GS, nämlich durch. So fuhren Bruno, Heinz und Steff zum geplanten Etappenziel nach Lienz weiter, während Chris und Susan sich mit Hilfe der Polizei, ÖAMTV und einem hilfsbereitem Hotelier wieder Richtung Feldkirch begaben. Nach etlichen Irr- und Wirrungen und einer nur 5000km jüngeren Benzinpumpe holten die beiden dann am Freitag den Vortrupp wieder ein.
Die erste Nacht im Haidenhof verbracht. Wunderbar (Anmerkung Autor Heinz hat es nicht so genossen) Zeitig nach dem Frühstück haben wir uns auf unsere Maschinen geschwungen und Richtung Hermagor aufgemacht.
Ein kleiner Regenschauer hat uns zu einem kleinen Aperohalt gezwungen. Nach einer Stärkung ging es weiter Richtung Faaker See. Nach einem Orientierungshalt mit Blick auf die Karte beabsichtigten wir über den Gerlitzen Pass zu fahren. Ein Hinweisschild macht auf eine Mautstrecke aufmerksam. Eine wunderschöne Strecke mit sehr schönen Kurven, bis zu einer Sackgasse.
Durch Nachfrage bei einem Einheimischen, ob es keinen Durchgang gäbe, meinte der “Nöö da könnst ned durchfahre” kehrten wir wohl oder übel um. Ein Hinweisschild zum Sepps Restaurant und ein bisschen Hunger verleitet uns bei ihm einzukehren. Die fast einheimschen die dabei waren (Heinz und Bruno) gönnten sich eine Knödelsuppe, die ich laut Heinz erwähnen soll. Später hat sich herausgestellt, dass wir nicht die ersten waren die sich von der Karte habe täuschen lassen. Sepp meinte es gäbe einen Übergang, aber nur für Mountain Bikes.
Der Wirt, zugleich Präsident der Genossenschaft der Gerlitzen Mautstrasse gab uns den Hinweis beim Schlagbaum, dass es möglich wäre zu zweit durchzufahren, damit nicht alle Bezahlen müssen. Wir haben es fertig gebracht und sind zu Dritt durchgefahren. Yeahhhh
Als absolutes “Schmanckerl” sind wird dann weiter in Richtung Feldkirchen in Kärnten, wo wir rechts abgebogen sind auf die Nockalm Hochalpenstrasse. Petrus war uns gnädig und bescherte uns diese Strecke trocken. Das animierte uns ein wenig Gummi liegen zu lassen. Eine wunderschöne Strecke die jeden Euro ( 7 Euro Maut) wert war. Danach ging die Fahrt zurück nach Lienz in den Haidenhof.
“Lienz, wir kommen!” Nach einem reichhaltigen Zmorge gings auf Besichtigungstour ins Dörfchen Lienz, welches mit seinem gemütlichen Charme samt Fussgängerzone, Markt und interessanten Einkaufsmöglichkeiten (Susan lässt grüssen…;o) alle verzauberte. Doch der Zauber währte nur kurz, und schon sattelten die Herren wieder ihre Bikes und brausten über die Pustertaler Höhenstrasse davon, um eines der schönsten Täler Europas zu entdecken. Das Tiroler Gailtail mit dem Kartitischen Sattel, die höchste Brückenschaukel in Europa und das liebliche Dorf Maria Luggau (mit rechtwinkligen Kurven) zogen uns in ihren Bann.
Am Abend wurden wir von der Haidenhofer Küche verwöhnt und fielen müde ins Bett und träumten von neuen Pässen, Kurven und unentdeckten Tälern.
Der inzwischen legendäre Vrsic-Sattel stand heute als fahrerischer Höhepunkt auf dem Programm. Doch schon die Anfahrt hielt eine tolle Überraschung bereit. Via Plöckenpass, Tolmezzo und Tarcento düsten wir Richtung Zaga und da war sie, die Strasse zum Passo di Tanamea, wunderbar kurvig in ein Tal gebettet, rhythmisch angelegt und mit einem griffigen Belag rief sie Freudenjuchzer bei uns hervor. Da Brunos Leidenschaft nicht nur dem Töfffahren, sondern auch dem Tennis gehört, kürzte er die Tour ab und verpasste wie Roger in Paris den Höhepunkt des Tages.
Die Freude der Tennis-Ignoranten wurde noch grösser, denn der Vrsic-Sattel zeigte sich von seiner besten Seite (wenn man sich bei der kleinen Baustelle vor der Ampel farbenblind stellte ;-D). Ein prächtiger Töfftag fand trotz heftigen Wolkenbrüchen mit einem wunderbaren Nachtessen seinen glorreichen Abschluss.
Montag, 11.06.07 | Heimfahrt Bruno & Heinz | Route Susanne, Christoph & Steff
Heute hiess es schweren Herzens Abschied nehmen vom Haidenhof. Tipp an die Grossmengen-futterorientierten Männer: Statt morgens um halb acht schon loszufahren, nur um rechtzeitig beim Brückenwirt mit seinen riesigen Portionen in St. Leonhard anzukommen, nur um dann noch fast eine Stunde zu warten, bis der Küchenchef in Stimmung kommt, um anzurichten. Wobei auch von Frauenseite her eingestanden werden muss, dass für das Essen durchaus ein bisschen Warten gerechtfertigt war.
Anschliessend trennten sich unsere Wege. Die Mutti-Brüder zog es Richtung Timmelsjoch heimzu, während der wirklich harte Kern gen Italien zum Comersee fuhr. Das Unwetter, dass uns dort kurz vor Sondrio zum Anhalten zwang, war etwas von gröberem Kaliber. Wind und Regen peitschten horizontal unter dem eigentlich schützenden Tankstellendach hindurch. Ziemlich müde und vollkommen durchnässt erreichten wir schliesslich das wunderbare Hotel “La perla” oberhalb Tremezzo mit traumhaftem Blick auf den Comersee. Nach einer Föhnorgie und einer heissen Dusche waren wir für den warmen feinen Znacht wieder gerüstet. Zu unser aller innigster Erheiterung trugen nach dem Nachtessen zwei Alteisensammler bei, welche mit ihren HD (ned de Läppli!) die etwas enge Ausfahrtskurve ab der Autobahn Richtung Tremezzo vergeigten und deswegen erstmal den Comersee umrundeten…
Die Kurven Richtung Como waren für längere Zeit die letzten an diesem Überführungstag nach Barcelonette. Die Autobahn nach Turin eignete sich gut als Kilometerfresser und so verliessen wir erst in Cuneo die Schnellstrasse und bogen rechts zum Passo di Maddalena ab. Leider erwischten wir auch hier noch einen Gutsch Wasser, kamen aber rechtzeitig zum Grillieren beim komplett renovierten Bauernhof in St. Pons an. Das Gästehaus “L’escale en Ubaye” wird von einem niederländischen Ehepaar geführt und beherbergte unter anderem 20 glattrasierte Männerbeine und ein deutsches Suzuki-Duo.
Wir hatten nun schon etliche Kilometer auf dem Buckel bzw. unter dem Allerwertesten abgespult und so war heute ein “Ruhetag” angesagt. Gemütliches Morgenessen, im Garten an der Sonne sitzen und die letzten Tage Revue passieren lassen. Doch irgendwann kribbelt es trotzdem und so kauften wir was zum Picknicken ein und fuhren Richtung Lac de Serre-Ponçon. Ein See ähnlich wie der Vierwaldstättersee. Schon bald entdeckten wir ein lauschiges Plätzchen, an welchem wir uns ausstrecken konnten. Gegen den späteren Nachmittag umrundeteten wir den See und waren einmal mehr begeistert von Strasse und Land.
Der Tag an dem uns schwindlig wurde
. Zeitig fuhren als zweites Frühstück den Col d’Allos, sehr kurvig, leicht unebene Strassen und Fahrspass pur. Via Castellane düsten wir in den Grand Canyon von Frankreich - Canyon du Verdon. Halsbrecherische Strassen inmitten steilen Felswänden, atemberaubende Sichten in die Tiefe und Kurven, Kurven, Kurven, … Die Verdon-Schlucht umkreisten wir im Uhrzeigersinn und bogen auf dem Heimweg nach Digne-les-bains links ab. Die Strecke zum Lac de Serre-Ponçon brachte nochmals ein mulmiges Bauchgefühl auf. Mit der Zeit wurde aus horizontal - vertikal und umgekehrt
. Also anhalten und das Gleichgewicht wieder herstellen. Eine Ausfahrt, die man sich nicht entgehen lassen sollte.
Es regnete und das nicht zu knapp. Sollten wir bei solchen Wetterbedingungen die Heimreise von ca. 600 km auf 2 Tage verteilen? Die Aussichten für den Samstag waren aber durchwegs so gut, dass wir uns für einen “Ruhetag” vor der Abreise entschieden. Mit Tina und Ralph, dem Suzuki-Duo mit Motorradanhänger, fuhren wir mit dem Auto nach Barcelonette, kurz darauf zog ein mächtiges Gewitter durch das Tal und wir zogen uns in ein Café zurück. Das Wetter wurde am Nachmittag langsam besser … der höchste Pass Europas … das Wetter wurde immer besser … Gorges de Daluis … es war trocken und die Sonne schien … und wir fuhren zu einer Töfftour los. Der Col de la Bonette mit 2860 Meter das höchste der Gefühle war die erste Station. Ein Lastwagen mit Anhänger verdarb uns zwar die flotte Fahrt, aber nicht die gute Stimmung. Die Strassen wurden immer kurviger, die Schluchten immer enger und wir fuhren als gäbe es kein Morgen mehr. Via Roubion die Gorges Sup. du Cians hinab und wieder zurück durch die Gorges de Daluis reihten wir Kurve an Kurve … an Kurve. Bereits müde vom Tag und mit dem Wissen, dass wir morgen rund 12 Stunden unterwegs sind, wurde der Col de la Cayolle eher zur Last als zur Lust. Müde und durchgeschüttelt, aber mit dem Wissen, dass wir hier mit etwas mehr Zeit wieder zurückkommen, kamen wir um halb 9 in St. Pons an. Nun galt es zu packen, die Motorräder aufzutanken, etwas zu essen und natürlich zu schlafen
Brrrr, brrrr, brrrr, 6 Uhr, aufstehen. Der Himmel war strahlend blau, einige Nebelschwaden hingen an den Berghängen und die morgendliche Kühle weckte uns schnell. Los ging es Richtung Luzern mit dem Col du Vars und um 9 waren wir in Briançon, nur Briançon war definitiv noch nicht wach, so düsten wir unverrichteter Dinge weiter zum Col du Lauturet und erst da assen wir etwas zum Zmorge. Die ersten Glattrasierten wanden sich den Galibier-Pass bereits hoch, bevor wir diesen wunderbaren Pass unter die Räder nahmen. Über den Col du Télégraphe kamen wir ins Tal und liessen die olympischen Dörfer Albertville und Chamonix hinter uns. Der Walliser Wind erwischte uns auf der vollen Breitseite, aber wir verschwanden über den Col des Mosses ins Berner Oberland. Es wurde wieder heimisch … Thunersee … Brienzersee … und zum Schluss der Brünigpass oder besser Brünighügelchen mit seiner Autobahn
. Eine letzte Stärkung und das Trio, Susan, Steff und Christoph bogen in die Heimat ein.
Es waren wunderbare, spannende, erlebnisreiche, turbulente und nasse 10 Tage … es waren Töffferien im Osttirol und den Hautes Alpes!
Ein Kommentar auf “6 Länder in 10 Tagen”
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am 08.08.2007 um 13:27 Uhr
Hallo zusammen
Es war einfach Geil!!!!!!!
Steff